Polyneuropathie: Diese frühen Warnzeichen müssen Diabetiker kennen
Kennen Sie dieses seltsame Kribbeln in den Füßen? Ein Gefühl wie Ameisenlaufen, das man gerne ignoriert – weil man denkt, es sei harmlos.
Doch genau dieses Kribbeln kann ein frühes Warnsignal für eine diabetische Polyneuropathie sein. Dabei handelt es sich um eine der häufigsten und zugleich heimtückischsten Folgeerkrankungen bei Diabetes.
Schätzungen zufolge entwickeln bis zu 50 % aller Menschen mit Diabetes im Laufe ihres Lebens eine Polyneuropathie. Das Problem: Die ersten Symptome sind oft so subtil, dass sie übersehen oder als normale Alterserscheinung abgetan werden.
Ein fataler Fehler.
In diesem Artikel erfahren Sie:
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Welche frühen Warnzeichen einer diabetischen Polyneuropathie Sie unbedingt kennen sollten
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Warum Diabetes die Nerven schädigt
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Und was Sie konkret unternehmen können, um Nervenschäden früh zu erkennen und zu verlangsamen.
Denn eines ist klar: Je früher man handelt, desto besser lassen sich schwere Folgeschäden verhindern.
Was ist eine diabetische Polyneuropathie?
Um die Symptome zu verstehen, hilft ein einfacher Vergleich.
Stellen Sie sich Ihr Nervensystem wie ein riesiges Netzwerk aus elektrischen Datenkabeln vor. Diese Nerven übertragen ständig Informationen zwischen Gehirn und Körper:
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Sie steuern Ihre Muskeln
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melden dem Gehirn Schmerzen
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registrieren Temperatur, Druck oder Berührung.
Bei Menschen mit Diabetes kann ein dauerhaft erhöhter Blutzucker diese sensiblen Nerven schädigen.
Der hohe Zuckerspiegel wirkt auf Dauer wie ein Gift für die Nervenzellen und ihre schützende Hülle. Die Folge:
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Signale werden langsamer weitergeleitet
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Informationen kommen verfälscht an
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oder sie erreichen das Gehirn gar nicht mehr.
Besonders betroffen sind zunächst die längsten Nerven im Körper – also jene, die bis in die Füße reichen.
Deshalb beginnen die Symptome fast immer:
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in den Zehen
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an den Fußsohlen
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später auch in Unterschenkeln und Händen
Ärzte sprechen dann vom typischen „Handschuh-Strumpf-Muster“ der Polyneuropathie.
Das Tückische daran: Die Nervenschädigung entwickelt sich schleichend über Jahre – oft, ohne dass Betroffene es bemerken.
Die 5 frühen Warnzeichen einer diabetischen Polyneuropathie
Viele Menschen mit Diabetes erkennen die ersten Symptome nicht.
Dabei sendet der Körper oft schon früh deutliche Signale.
Hier sind fünf Warnzeichen, die Sie unbedingt ernst nehmen sollten.
1. Kribbeln oder Ameisenlaufen in den Füßen
Das Kribbeln in den Füßen ist oft das erste Symptom.
Betroffene beschreiben es als:
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Prickeln
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Ameisenlaufen
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elektrisches Kribbeln unter der Haut.
Typisch ist:
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Die Beschwerden treten an beiden Füßen gleichzeitig auf
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Sie beginnen meist in den Zehen oder Fußsohlen
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und sie verstärken sich in Ruhe, besonders nachts.
Viele bemerken das Kribbeln vor allem:
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abends auf dem Sofa
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oder im Bett.
Manchmal reicht schon das leichte Gewicht der Bettdecke, um das unangenehme Gefühl auszulösen.
2. Taubheitsgefühl oder das Gefühl, „auf Watte zu laufen“
Neben dem Kribbeln kann auch ein Taubheitsgefühl in den Füßen auftreten.
Viele Patienten berichten, es fühle sich an:
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als wären die Füße eingeschlafen
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oder als würde man auf Watte laufen.
Dieses Symptom ist besonders gefährlich.
Warum?
Weil der natürliche Schmerz-Alarm des Körpers ausfällt.
Wenn Sie Schmerzen nicht mehr richtig spüren:
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bemerken Sie kleine Verletzungen nicht
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treten auf Steine
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laufen sich Blasen
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oder verletzen sich unbemerkt.
Bei Diabetes kann aus einer kleinen Wunde schnell eine schwere Infektion entstehen.
Im schlimmsten Fall entwickelt sich ein diabetisches Fußsyndrom, das sogar eine Amputation erforderlich machen kann.
3. Brennende Schmerzen und gestörtes Temperaturempfinden
Ein weiteres typisches Symptom ist das sogenannte Burning-Feet-Syndrom.
Dabei treten auf:
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brennende Schmerzen
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stechende oder bohrende Schmerzen
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besonders an den Fußsohlen.
Auch diese Beschwerden sind nachts oft stärker.
Zusätzlich kann das Temperaturempfinden gestört sein.
Zum Beispiel:
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Füße fühlen sich eiskalt an, obwohl sie normal warm sind
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oder normale Temperaturen werden als unangenehm heiß empfunden.
Gefährlich wird es, wenn Hitze nicht mehr richtig wahrgenommen wird.
Dann kann es passieren, dass Betroffene:
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sich im Badewasser verbrühen
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oder sich an Wärmflaschen verbrennen.
Tipp: Wassertemperatur immer mit der Hand oder einem Thermometer prüfen.
4. Sehr trockene oder rissige Haut an den Füßen
Viele Menschen wissen nicht, dass Nerven auch die Schweißdrüsen steuern.
Wenn diese Nerven geschädigt sind, kann die Schweißproduktion abnehmen.
Die Folge:
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trockene Haut
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spröde Haut
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Risse besonders an den Fersen.
Diese kleinen Hautrisse können zum Eintrittstor für Bakterien werden und Infektionen begünstigen.
Wenn Ihre Füße trotz Pflege dauerhaft extrem trocken und rissig sind, kann das ein Hinweis auf eine beginnende Neuropathie sein.
5. Muskelschwäche und unsicherer Gang
Die Polyneuropathie betrifft nicht nur sensible Nerven, sondern auch motorische Nerven, die die Muskeln steuern.
Dadurch können die kleinen Fußmuskeln schwächer werden.
Mögliche Folgen:
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häufiger Stolpern
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Umknicken
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unsicherer Gang
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Schwierigkeiten, den Boden richtig zu spüren.
Auch nächtliche Wadenkrämpfe können auftreten.
Besonders bei älteren Menschen steigt dadurch das Sturzrisiko deutlich an.
Was Sie jetzt unternehmen können: ein 3-Schritte-Plan
Wenn Ihnen eines dieser Symptome bekannt vorkommt, gilt:
Keine Panik – aber handeln Sie frühzeitig.
Eine diabetische Polyneuropathie ist zwar meist nicht vollständig heilbar, aber ihr Fortschreiten kann deutlich verlangsamt werden.
Hier sind drei wichtige Schritte.
1. Kontrollieren Sie Ihre Füße täglich
Machen Sie es zur Routine, Ihre Füße jeden Tag zu kontrollieren.
Am besten abends bei gutem Licht.
Achten Sie auf:
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Rötungen
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Druckstellen
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Blasen
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Kratzer
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Hautrisse
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Veränderungen der Nägel.
Nutzen Sie einen Handspiegel, um auch die Fußsohlen und Zehenzwischenräume zu sehen.
Diese tägliche Kontrolle ist eine der besten Maßnahmen zur Vorbeugung des diabetischen Fußsyndroms.
2. Sprechen Sie frühzeitig mit Ihrem Arzt
Wenn Sie Symptome bemerken, warten Sie nicht ab.
Suchen Sie Ihren Hausarzt oder Diabetologen auf.
Mit einfachen Tests kann geprüft werden:
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Vibrationsgefühl (Stimmgabeltest)
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Berührungsempfinden (Monofilament-Test)
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Reflexe.
Der Arzt kann außerdem prüfen, ob andere Ursachen vorliegen, zum Beispiel:
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Vitamin-B12-Mangel (bei Metformin häufiger)
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Alkoholschäden
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andere neurologische Erkrankungen.
3. Verbessern Sie Ihre Blutzuckereinstellung
Die wichtigste Maßnahme zum Schutz der Nerven ist eine gute Blutzuckerkontrolle.
Jeder Tag mit stabilen Blutzuckerwerten schützt Ihre Nerven.
Zusätzlich helfen:
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regelmäßige Bewegung
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ausgewogene Ernährung
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Gewichtsreduktion
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Rauchstopp
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moderater Alkoholkonsum.
Bewegung verbessert außerdem die Durchblutung der kleinen Nervenfasern und kann Symptome lindern.
Fazit: Hören Sie auf die Signale Ihrer Füße
Kribbeln, Taubheit, brennende Schmerzen, trockene Haut oder ein unsicherer Gang – das sind keine harmlosen Kleinigkeiten.
Es können die ersten Warnzeichen einer diabetischen Polyneuropathie sein.
Die gute Nachricht:
Wer diese Symptome früh erkennt und aktiv wird, kann das Fortschreiten der Erkrankung oft deutlich verlangsamen.
Deshalb gilt:
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Kontrollieren Sie Ihre Füße regelmäßig
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Sprechen Sie frühzeitig mit Ihrem Arzt
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und achten Sie konsequent auf Ihren Blutzucker und Ihren Lebensstil.
Ihre Füße tragen Sie durchs Leben – kümmern Sie sich gut um sie.