Neuromodulation bei Polyneuropathie – wie Nervenstimulation Schmerzen lindern kann

Polyneuropathie: Wenn Nervenschmerzen chronisch werden

Viele Menschen mit Polyneuropathie leiden unter brennenden, stechenden oder elektrisierenden Schmerzen, meist an Füßen oder Händen. Häufig kommen Kribbeln, Taubheitsgefühle oder ein unangenehmes Kälte- oder Hitzeempfinden hinzu.

Das Besondere an neuropathischen Schmerzen: 👉 Sie entstehen nicht durch eine Verletzung, sondern durch fehlgeleitete Nervensignale.

Medikamente wie Pregabalin, Gabapentin oder Antidepressiva helfen zwar manchen Betroffenen, führen aber oft zu:

  • Müdigkeit

  • Benommenheit

  • Konzentrationsstörungen

  • unzureichender Schmerzlinderung

Genau hier rückt eine alternative Therapieform immer stärker in den Fokus: Neuromodulation.


Was bedeutet Neuromodulation?

Neuromodulation beschreibt Verfahren, bei denen die Aktivität von Nerven gezielt beeinflusst wird, meist durch elektrische Reize.

Ziel ist es:

  • überaktive Schmerzsignale zu dämpfen

  • die Reizverarbeitung zu normalisieren

  • das Schmerzsystem neu zu „justieren“

Wichtig:
❌ Kein Stromschlag
❌ Keine Nervenschädigung
✅ Kontrollierte, schwache Impulse


Warum kann Nervenstimulation bei Polyneuropathie helfen?

Bei Polyneuropathie senden geschädigte Nerven oft Dauer- oder Fehlalarme an das Gehirn. Neuromodulation setzt genau hier an:

  • Schmerzsignale werden abgeschwächt

  • konkurrierende, nicht-schmerzhafte Reize werden verstärkt

  • das Gehirn nimmt Schmerzen weniger intensiv wahr

Ein bekanntes Erklärungsmodell ist das sogenannte Gate-Control-Prinzip: Nicht-schmerzhafte Reize können gewissermaßen das „Tor“ für Schmerzsignale schließen.


Welche Formen der Neuromodulation gibt es bei Polyneuropathie?

1. TENS – Transkutane elektrische Nervenstimulation

Die TENS-Therapie ist die bekannteste und am weitesten verbreitete Form.

So funktioniert sie:

  • Elektroden werden auf die Haut geklebt

  • elektrische Impulse reizen oberflächliche Nerven

  • Schmerzsignale werden gehemmt

Vorteile:

  • nicht invasiv

  • einfach anzuwenden

  • auch für zu Hause geeignet

Nachteile:

  • Wirkung oft nur während oder kurz nach der Anwendung

  • nicht jeder Patient spricht darauf an


2. Periphere Nervenstimulation

Hier werden gezielt einzelne periphere Nerven stimuliert, meist präziser als bei TENS.

Besonderheiten:

  • gezieltere Wirkung

  • teilweise länger anhaltende Effekte

  • zunehmend bessere Studienlage

Diese Form kann besonders sinnvoll sein bei:

  • lokal begrenzten neuropathischen Schmerzen

  • starkem Brennen oder Stechen in Füßen oder Händen


3. Rückenmarksstimulation (Spinal Cord Stimulation)

Die Rückenmarksstimulation ist eine invasive Form der Neuromodulation und kommt bei schweren, therapieresistenten Verläufen zum Einsatz.

Merkmale:

  • Elektroden werden nahe dem Rückenmark platziert

  • vorherige Testphase

  • Ziel: zentrale Schmerzverarbeitung beeinflussen

Studien zeigen:

  • deutliche Schmerzreduktion bei ausgewählten Patienten

  • Verbesserung der Lebensqualität

  • Reduktion von Schmerzmedikamenten


Was sagt die Studienlage zur Neuromodulation bei Polyneuropathie?

Die wissenschaftliche Datenlage hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert.

Studien zeigen:

  • signifikante Schmerzreduktion bei einem Teil der Betroffenen

  • besonders bei diabetischer Polyneuropathie

  • bessere Ergebnisse in Kombination mit Bewegung, Physiotherapie und Schmerztherapie

Wichtig bleibt:

  • Neuromodulation ist keine Wundertherapie

  • nicht jeder Patient profitiert

  • realistische Erwartungen sind entscheidend


Für wen ist Neuromodulation geeignet – und für wen nicht?

Geeignet kann sie sein bei:

  • chronischen neuropathischen Schmerzen

  • unzureichender Wirkung von Medikamenten

  • relevanten Nebenwirkungen durch Medikamente

Weniger geeignet ist sie bei:

  • reinem Taubheitsgefühl ohne Schmerz

  • akuten entzündlichen Nervenerkrankungen

  • fehlender Bereitschaft zur regelmäßigen Anwendung

👉 Eine neurologische Abklärung ist immer Voraussetzung.


Fazit: Neuromodulation als ergänzende Therapieoption

Neuromodulation bietet bei Polyneuropathie eine wichtige zusätzliche Behandlungsoption, insbesondere wenn Medikamente nicht ausreichend helfen oder schlecht vertragen werden.

Sie ersetzt keine Ursachenbehandlung, kann aber:

  • Schmerzen reduzieren

  • den Medikamentenbedarf senken

  • die Lebensqualität verbessern

Ob und welche Form sinnvoll ist, sollte immer individuell entschieden werden.


Weiterführende Inhalte auf neurowissen.com

Wenn du mehr über Polyneuropathie, moderne Therapieansätze und alltagstaugliche Strategien erfahren möchtest, findest du auf neurowissen.com weitere fundierte Beiträge rund um Gehirn, Nerven und Gesundheit.


 

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