Fibromyalgie oder ME/CFS? Gemeinsamkeiten und entscheidende Unterschiede verständlich erklärt
Viele Betroffene leiden unter chronischer Erschöpfung, Schmerzen und Konzentrationsproblemen – und erhalten dennoch unterschiedliche Diagnosen: Fibromyalgie oder ME/CFS.
Auf den ersten Blick ähneln sich die Symptome stark. Medizinisch handelt es sich jedoch um zwei unterschiedliche Krankheitsbilder, bei denen eine klare Unterscheidung enorm wichtig ist.
In diesem Artikel erfahren Sie:
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welche Gemeinsamkeiten Fibromyalgie und ME/CFS haben
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worin die zentralen Unterschiede liegen
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warum die richtige Einordnung entscheidend für Therapie und Alltag ist
Was haben Fibromyalgie und ME/CFS gemeinsam?
Sowohl Fibromyalgie als auch ME/CFS gehören zu den chronischen, nicht sichtbar messbaren Erkrankungen. Viele Betroffene erleben einen langen Weg bis zur Diagnose.
Typische Gemeinsamkeiten sind:
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ausgeprägte körperliche Erschöpfung
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nicht erholsamer Schlaf
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kognitive Einschränkungen („Brain Fog“)
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erhöhte Reizempfindlichkeit gegenüber Stress, Licht oder Geräuschen
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häufig unauffällige Routine-Laborwerte
Diese Überschneidungen führen dazu, dass beide Erkrankungen im klinischen Alltag verwechselt oder gleichgesetzt werden – mit teils gravierenden Folgen.
Der wichtigste Unterschied: Reaktion auf Belastung
Der entscheidende medizinische Unterschied liegt darin, wie der Körper auf körperliche oder geistige Belastung reagiert.
ME/CFS: Post-Exertional Malaise (PEM)
Das Leitsymptom von ME/CFS ist die sogenannte Post-Exertional Malaise.
Dabei kommt es nach geringer Belastung – oft verzögert – zu einer deutlichen Verschlechterung aller Symptome.
Typisch für ME/CFS:
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Crash nach körperlicher oder geistiger Aktivität
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Verschlechterung nach 12–48 Stunden
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Erholung dauert Tage bis Wochen
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Selbst Alltagsaktivitäten können zu massiver Überlastung führen
👉 Belastung ist hier kein Training, sondern ein Krankheitsverstärker.
Fibromyalgie: Chronische Schmerzverarbeitung
Bei der Fibromyalgie steht dagegen die veränderte Schmerzverarbeitung im Nervensystem im Vordergrund.
Typisch für Fibromyalgie:
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weitverbreitete Muskel- und Weichteilschmerzen
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Druckschmerzhaftigkeit
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Morgensteifigkeit
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Erschöpfung und Schlafstörungen
Belastung kann anstrengend sein – führt aber nicht zu dem charakteristischen Crash wie bei ME/CFS.
Im Gegenteil: angepasste Bewegung kann bei Fibromyalgie langfristig hilfreich sein.
Was passiert im Gehirn und Nervensystem?
Auch neurobiologisch zeigen sich Unterschiede:
Fibromyalgie
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gesteigerte Schmerzverarbeitung im zentralen Nervensystem
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erhöhte Aktivität schmerzverarbeitender Hirnareale
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Dysregulation von Stress- und Schmerznetzwerken
ME/CFS
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Hinweise auf neuroimmunologische Prozesse
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gestörter Energie- und Mitochondrienstoffwechsel
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autonome Fehlregulation (z. B. Kreislaufprobleme, Belastungsintoleranz)
Diese Unterschiede erklären, warum Therapien nicht austauschbar sind.
Warum die richtige Diagnose so wichtig ist
Eine falsche Einordnung kann problematisch sein:
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Aktivierungstherapien, die bei Fibromyalgie helfen können,
können bei ME/CFS zu massiver Verschlechterung führen. -
Betroffene fühlen sich häufig nicht ernst genommen.
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Fehlanpassungen im Alltag verstärken den Krankheitsverlauf.
👉 Deshalb ist eine sorgfältige, symptombasierte Differenzierung essenziell.
Fazit
Fibromyalgie und ME/CFS haben viele Überschneidungen – sind aber keine identischen Erkrankungen.
Kurz zusammengefasst:
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Fibromyalgie = Störung der Schmerzverarbeitung
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ME/CFS = schwere Belastungsintoleranz mit Energieproblem
Eine klare Unterscheidung hilft Betroffenen,
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ihre Symptome besser zu verstehen
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Überforderung zu vermeiden
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gezielter mit der Erkrankung umzugehen
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👉 Wenn Sie medizinische Zusammenhänge wirklich verstehen möchten, bleiben Sie dran.