Epilepsie nach Schlaganfall: Ursachen, Risiken und was Betroffene wissen sollten
Ein Schlaganfall ist für viele Betroffene ein einschneidendes Ereignis. Häufig stehen Lähmungen, Sprachstörungen oder Gedächtnisprobleme im Vordergrund. Weniger bekannt ist jedoch, dass ein Schlaganfall auch das Risiko für epileptische Anfälle erhöhen kann. Tatsächlich ist der Schlaganfall die häufigste Ursache für neu auftretende Epilepsie im Erwachsenenalter.
In diesem Artikel erfahren Sie verständlich und fundiert,
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warum es nach einem Schlaganfall zu Epilepsie kommen kann,
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wer ein erhöhtes Risiko hat,
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wie sich epileptische Anfälle äußern können
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und was Betroffene im Alltag beachten sollten.
Was bedeutet „Epilepsie nach Schlaganfall“?
Nicht jeder epileptische Anfall nach einem Schlaganfall bedeutet automatisch, dass eine Epilepsie vorliegt. In der Neurologie unterscheiden wir zwei wichtige Formen:
Frühanfälle
Frühanfälle treten innerhalb der ersten Stunden oder Tage nach dem Schlaganfall auf. Sie entstehen meist durch akute Reizungen des geschädigten Hirngewebes.
Spätanfälle
Spätanfälle können Wochen, Monate oder sogar Jahre nach dem Schlaganfall auftreten. Kommt es wiederholt zu solchen unprovozierten Anfällen, spricht man medizinisch von einer poststroke-Epilepsie.
Warum kann ein Schlaganfall Epilepsie auslösen?
Ein Schlaganfall führt zu einer dauerhaften Schädigung von Nervenzellen. Im betroffenen Hirnareal entsteht Narbengewebe, das die elektrische Aktivität des Gehirns verändern kann.
Diese Veränderungen können dazu führen, dass:
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Nervenzellen übererregbar werden
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elektrische Signale unkontrolliert weitergeleitet werden
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epileptische Entladungen entstehen
Besonders betroffen ist die Großhirnrinde, da sie für bewusste Wahrnehmung, Bewegung und Sprache zuständig ist.
Wer hat ein erhöhtes Risiko für Epilepsie nach Schlaganfall?
Das Risiko ist nicht für alle Schlaganfall-Patienten gleich hoch. Erhöht ist es insbesondere bei:
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großen Schlaganfällen
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Schlaganfällen der Hirnrinde (kortikale Infarkte)
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Hirnblutungen
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jüngeren Patienten
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früh auftretenden epileptischen Anfällen
Wichtig zu wissen: Die Mehrheit aller Schlaganfall-Patienten entwickelt keine Epilepsie.
Wie äußern sich epileptische Anfälle nach Schlaganfall?
Epileptische Anfälle sind nicht immer spektakulär oder leicht zu erkennen. Neben klassischen Krampfanfällen gibt es viele unauffällige Formen, zum Beispiel:
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kurze Bewusstseinsstörungen
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Zuckungen einer Hand, eines Arms oder der Gesichtshälfte
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plötzliche Sprach- oder Sehstörungen
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ungewöhnliche Verhaltensänderungen oder Verwirrtheit
Gerade nach einem Schlaganfall werden solche Symptome häufig fälschlich dem Schlaganfall selbst zugeschrieben und nicht als Anfälle erkannt.
Muss man nach einem Schlaganfall vorbeugend Antiepileptika einnehmen?
Eine häufige Sorge von Betroffenen lautet: „Muss ich jetzt dauerhaft Epilepsie-Medikamente nehmen?“
Die Antwort lautet: Nein, nicht routinemäßig.
Antiepileptische Medikamente werden in der Regel nur eingesetzt:
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nach wiederholten epileptischen Anfällen
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oder bei einem sehr hohen individuellen Risiko
Die Entscheidung erfolgt immer individuell durch den behandelnden Neurologen.
Was bedeutet eine Epilepsie nach Schlaganfall für den Alltag?
Mit einer guten medizinischen Betreuung gilt heute:
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viele Betroffene bleiben langfristig anfallsfrei
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Autofahren ist unter bestimmten Voraussetzungen wieder möglich
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Die Lebensqualität kann gut erhalten werden
Wichtige Faktoren für den Alltag sind:
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regelmäßige neurologische Kontrollen
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zuverlässige Einnahme verordneter Medikamente
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ausreichend Schlaf
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Stressreduktion
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vorsichtiger Umgang mit Alkohol
Fazit: Wissen gibt Sicherheit
Epilepsie nach Schlaganfall ist ein ernst zu nehmendes, aber gut behandelbares Thema. Entscheidend ist, Symptome früh zu erkennen, realistisch einzuordnen und sich neurologisch begleiten zu lassen.
Je besser Betroffene und Angehörige informiert sind, desto mehr Sicherheit lässt sich im Alltag zurückgewinnen.
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