Die Wirkung von Musik, Rhythmen und Frequenzen auf ADHS-Symptome

Die Wirkung von Musik, Rhythmen und Frequenzen auf ADHS-Symptome

Wie du mit gezielten Klängen Fokus, Ruhe und Produktivität verbessern kannst

Millionen von Menschen mit ADHS suchen täglich nach dem „Aus-Schalter“ für das Gedankenkarussell. Man setzt sich an den Schreibtisch – und zehn Minuten später recherchiert man plötzlich die Geschichte der Kaffeebohne, während im Kopf 15 verschiedene Podcasts gleichzeitig laufen.

Kommt dir das bekannt vor?

Standardtipps wie „Konzentrier dich doch einfach“ helfen selten weiter. Doch was, wenn der Schlüssel zu mehr Fokus nicht in noch mehr Willenskraft oder einer zusätzlichen Pille liegt – sondern in deinen Kopfhörern?

In diesem Artikel erfährst du, wie Musik, Rhythmen und spezielle Frequenzen neurobiologisch auf das ADHS-Gehirn wirken – und wie du sie gezielt für Konzentration, Produktivität und innere Ruhe einsetzen kannst.


ADHS und das Gehirn: Warum Fokus so schwerfällt

Menschen mit ADHS kämpfen nicht mit mangelndem Willen – sondern mit neurobiologischen Besonderheiten.

1. Dopamin: Der Fokus-Manager

Der präfrontale Kortex ist unser „Dirigent“ im Gehirn. Er steuert:

  • Aufmerksamkeit

  • Impulskontrolle

  • Planung

  • Prioritätensetzung

Bei ADHS ist die Dopamin-Regulation häufig verändert. Dopamin ist nicht nur ein „Glückshormon“, sondern ein zentraler Motivations- und Fokus-Botenstoff. Fehlt es, wird das Gehirn reizsuchend – es springt von Gedanke zu Gedanke.

Musik kann nachweislich das Belohnungssystem aktivieren und die Dopamin-Ausschüttung steigern. Das erklärt, warum viele intuitiv zu Kopfhörern greifen.

Doch: Nicht jede Musik hilft gleich gut.


2. Gehirnwellen: Theta vs. Beta

Studien zeigen, dass ADHS-Gehirne oft:

  • mehr Theta-Wellen (Tagträumen, Abschweifen)

  • weniger Beta-Wellen (aktive Konzentration, Wachheit)

aufweisen.

Beta-Wellen liegen im Bereich von ca. 13–30 Hertz – genau hier wird es spannend.


Die neurobiologische Lösung: Das Gehirn in den richtigen Takt bringen

Statt das Gehirn „ruhigstellen“ zu wollen, können wir es gezielt stimulieren – mit akustischen Strukturen, die:

  • das Dopaminsystem aktivieren

  • störende Reize überdecken

  • Gehirnwellen synchronisieren

Drei Klangtypen sind besonders interessant.


1. Binaurale Beats – Frequenzen für Fokus

Was sind binaurale Beats?

Hört man über Kopfhörer zwei leicht unterschiedliche Frequenzen (z. B. 440 Hz links, 455 Hz rechts), erzeugt das Gehirn eine Schwebung – in diesem Beispiel 15 Hz.

15 Hz liegt im Beta-Bereich, der mit Konzentration verbunden ist.

Dieses Prinzip nennt man Frequency Following Response:
Das Gehirn passt seine Aktivität an externe Rhythmen an.

Wann einsetzen?

Ideal für:

  • Lernen

  • Schreiben

  • Programmieren

  • Steuererklärung

  • Intensive Fokusphasen

Welche Frequenzen?

  • Beta-Wellen (13–30 Hz) → Konzentration

  • Gamma-Wellen (> 30 Hz) → Hochfokus, kognitive Spitzenleistung

  • Besonders vielversprechend bei ADHS: ca. 15 Hz

⚠ Wichtig: Nur mit Kopfhörern wirksam.

Die Studienlage ist vielversprechend, aber bis jetzt nicht abschließend. Es handelt sich um eine ergänzende Methode – keine Therapie.


2. Brown, White & Pink Noise – Die akustische Schutzdecke

Viele Menschen mit ADHS berichten, dass konstantes Rauschen beruhigend wirkt.

Die Unterschiede

  • White Noise → alle Frequenzen gleich stark

  • Pink Noise → tiefere Frequenzen stärker (wie Regen)

  • Brown Noise → sehr tieffrequent, warm und „erdend“

Gerade Brown Noise wird häufig als besonders angenehm beschrieben.

Warum?

Das ADHS-Gehirn sucht ständig nach Reizen. Konstantes Rauschen liefert einen stabilen Reiz, an dem sich das Gehirn „festhalten“ kann – statt ständig neue Ablenkungen zu scannen.

Eine Studie deutete sogar darauf hin, dass Menschen mit ADHS unter moderatem Hintergrundrauschen bessere kognitive Leistungen zeigen als in völliger Stille.

Wann einsetzen?

  • E-Mails bearbeiten

  • Büroarbeit

  • Lesen

  • Alltagsorganisation

Perfekt für ausdauernde, ruhige Tätigkeiten.


3. Strukturierte, instrumentale Musik – Dopamin mit Struktur

Manche ADHS-Gehirne brauchen nicht weniger Reize – sondern die richtigen.

Geeignet sind:

  • Filmmusik

  • Klassik (z. B. Bach, Vivaldi)

  • Videospiel-Soundtracks

  • Elektronische Musik mit repetitiven Beats

Wichtig: Keine Texte.

Warum funktioniert das?

  • Strukturierte Rhythmen geben Halt

  • Komplexität stimuliert das Dopaminsystem

  • Vorhersehbarkeit verhindert Überforderung

Eine kleine Pilotstudie zeigte z. B., dass Mozarts Sonate KV 448 bei Erwachsenen mit ADHS stimmungsverbessernd wirken kann. Der sogenannte „Mozart-Effekt“ ist wissenschaftlich umstritten – dennoch zeigt er, dass Musik messbare Effekte haben kann.


Praktische Umsetzung: So findest du deinen Soundtrack

1. Kopfhörer sind Pflicht

Besonders bei binauralen Beats unverzichtbar.

2. Die Lautstärke ist entscheidend

Der Klang soll unterstützen – nicht dominieren.

3. Für jede Aufgabe eine eigene Playlist

  • Beta-Wellen → Fokus-Sprints

  • Brown Noise → Routinearbeiten

  • Filmmusik → kreative Tätigkeiten

4. Mindestens 10–15 Minuten testen

Das Gehirn braucht Zeit zur Anpassung.


Empfehlung: „ADHS I“ von 247.blue

Ein interessantes Beispiel ist das Album:

ADHS I – von 247.blue

Das Album kombiniert strukturierte Beats mit fokussierenden Klanglandschaften und eignet sich besonders für konzentriertes Arbeiten.

(Hinweis: persönliche Empfehlung, keine Werbung.)


Fazit: Musik ist kein Pflaster – sondern ein Werkzeug

Die gezielte Nutzung von Klängen hat eine nachvollziehbare neurobiologische Grundlage.

Zusammengefasst:

  • Binaurale Beats → aktivieren gezielt Beta-Wellen

  • Brown Noise → Schützt vor Ablenkung

  • Instrumentale Strukturmusik → versorgt das Dopamin-System

Diese Methoden heilen ADHS nicht. Aber sie sind niedrigschwellige, wirksame Strategien im Alltag.

Sie ergänzen Therapie, Coaching oder medikamentöse Behandlung – ersetzen sie jedoch nicht.


Dein nächster Schritt

Experimentiere bewusst:

  • Welche Frequenz funktioniert für dich?

  • Welche Lautstärke ist dein Sweet Spot?

  • Brauchst du Struktur oder Ruhe?

Teile deine Erfahrungen in den Kommentaren auf neurowissen.com. Denn oft lernen wir die besten Strategien voneinander.


🎧 Sieh deine Kopfhörer nicht als Accessoire – sondern als Werkzeug in deinem ADHS-Werkzeugkasten.

Bleib neugierig.
Bleib experimentierfreudig.
Und finde deinen ganz persönlichen Soundtrack für Fokus.


 

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