ADHS & Hormone: Warum Symptome sich im Zyklus, im Leben und mit Schmerzen verändern
Warum ADHS bei Frauen oft übersehen wird – und welche Rolle Hormone, Schmerz, Lebensphasen und das Nervensystem spielen.
🧠 Einleitung: ADHS ist bei Frauen anders – und das hat Gründe
Viele Frauen mit ADHS haben einen langen Leidensweg hinter sich.
Nicht, weil ihre Symptome weniger ausgeprägt wären – sondern weil sie anders aussehen.
Statt klassischer Hyperaktivität stehen häufig im Vordergrund:
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innere Unruhe
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emotionale Überforderung
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Erschöpfung
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Reizüberflutung
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Konzentrationsprobleme trotz hoher Leistungsbereitschaft
Ein zentraler, lange unterschätzter Faktor dabei sind Hormone.
🔬 Die neurobiologische Basis: ADHS, Dopamin und Östrogen
ADHS ist eine neurobiologische Entwicklungsvariante, bei der insbesondere das Dopaminsystem anders reguliert ist. Dopamin beeinflusst:
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Aufmerksamkeit
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Motivation
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Impulskontrolle
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emotionale Stabilität
👉 Östrogen wirkt direkt auf das Dopaminsystem.
Das bedeutet: Wenn Östrogenspiegel schwanken, verändern sich auch ADHS-Symptome.
🔄 ADHS und Zyklus: Warum Symptome vor der Periode oft schlimmer werden
Viele Frauen berichten, dass sich ihre ADHS-Symptome zyklisch verändern.
Besonders häufig treten Verschlechterungen auf:
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in der zweiten Zyklushälfte
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kurz vor der Menstruation
Warum?
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Östrogen sinkt
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Dopaminverfügbarkeit nimmt ab
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Reizfilterung verschlechtert sich
Die Folgen können sein:
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stärkere Reizüberflutung
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emotionale Instabilität
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erhöhte Erschöpfung
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geringere Wirkung von ADHS-Medikamenten
👉 Das ist kein psychisches Versagen, sondern hormonell erklärbar.
🔗 ADHS und Schmerz: Warum Reizverarbeitung eine Schlüsselrolle spielt
ADHS betrifft nicht nur Aufmerksamkeit – sondern auch die sensorische Verarbeitung.
Das Gehirn filtert Reize weniger effizient.
Das betrifft:
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Geräusche
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Licht
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Emotionen
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Schmerzreize
Deshalb haben Menschen mit ADHS ein erhöhtes Risiko für:
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chronische Schmerzen
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Spannungskopfschmerzen
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Migräne
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funktionelle Schmerzsyndrome
🩺 ADHS & Endometriose: Eine häufige, aber wenig bekannte Komorbidität
Zunehmend zeigt sich:
ADHS und Endometriose treten überdurchschnittlich häufig gemeinsam auf.
Beide Erkrankungen teilen zentrale Mechanismen:
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Neuroinflammation
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hormonelle Dysregulation
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zentrale Sensibilisierung im Gehirn
Das erklärt, warum viele Betroffene:
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sich nicht ernst genommen fühlen
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jahrelang keine klare Diagnose erhalten
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fälschlich als „psychosomatisch“ eingeordnet werden
👉 Entscheidend ist: Der Schmerz ist real – und neurologisch erklärbar.
🧩 Warum Fehldiagnosen so häufig sind
Bei Frauen mit ADHS überlagern sich oft mehrere Ebenen:
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hormonelle Schwankungen
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emotionale Intensität
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hohe Anpassungsfähigkeit
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chronische Erschöpfung
Das führt dazu, dass Symptome lange kompensiert werden – bis das System zusammenbricht.
Burnout, Depression oder Angststörungen werden dann diagnostiziert, während das zugrunde liegende ADHS unentdeckt bleibt.
💊 Medikamente, Hormone und wechselnde Wirkung
Viele Frauen berichten, dass ADHS-Medikamente:
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zeitweise gut wirken
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dann scheinbar „plötzlich nicht mehr“
Auch hier spielen Hormone eine Rolle.
Östrogen beeinflusst die dopaminerge Signalübertragung –
und damit auch die Wirkung vieler Medikamente.
👉 Wichtig: Das ist keine Medikamentenkritik, sondern ein Hinweis auf die Notwendigkeit individueller Anpassung.
🏠 Alltag, Erschöpfung und das Nervensystem
Ein zentrales Thema bei ADHS & Hormonen ist Dauerbelastung des Nervensystems.
Typisch sind:
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hohe mentale Anstrengung bei alltäglichen Aufgaben
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permanente Selbstregulation
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fehlende Erholungsphasen
Erschöpfung entsteht hier nicht durch mangelnde Motivation –
sondern durch chronische neurologische Überforderung.
🔥 Burnout bei ADHS: Warum er oft spät erkannt wird
Viele Frauen mit ADHS sind leistungsbereit, empathisch und anpassungsfähig.
Das schützt sie lange – aber nicht dauerhaft.
Burnout entsteht häufig, wenn:
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Kompensation über Jahre anhält
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Warnsignale ignoriert werden
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das Nervensystem keine Regeneration mehr findet
👉 Burnout ist kein Zusammenbruch – sondern ein biologischer Schutzmechanismus.
🌱 Resilienz neu gedacht: Was wirklich hilft
Resilienz bei ADHS bedeutet nicht, noch mehr auszuhalten.
Wirksam sind vor allem:
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Reizreduktion statt Selbstoptimierung
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zyklusorientierte Planung
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Regulation des Nervensystems
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realistische Erwartungen an sich selbst
Erholung beginnt nicht im Kalender, sondern im autonomen Nervensystem.
🌙 Lebensphasen: Kinderwunsch, Schwangerschaft, Perimenopause, Menopause
Hormonelle Übergangsphasen können ADHS-Symptome deutlich verändern:
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Kinderwunsch: emotionale Belastung, Kontrollverlust
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Schwangerschaft: Symptome können sich bessern oder verschlechtern
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Postpartal: hormoneller Absturz + Schlafmangel
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Perimenopause: ADHS wird oft erstmals sichtbar
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Menopause: mehr Stabilität, aber anhaltende kognitive Themen
👉 ADHS verschwindet nicht – aber es verändert sich.
✅ Fazit: ADHS & Hormone verstehen – statt sich selbst infrage zu stellen
ADHS bei Frauen ist komplex.
Hormone, Schmerz, Lebensphasen und Nervensystem greifen ineinander.
Das Wichtigste ist:
Du bildest dir das nicht ein.
Dein System ist nicht kaputt – es ist komplex.
Verstehen ist der erste Schritt zu Entlastung, Selbstmitgefühl und gezielter Hilfe.
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