5 häufige Fehldiagnosen – hinter denen sich in Wahrheit Fibromyalgie versteckt

5 häufige Fehldiagnosen – hinter denen sich in Wahrheit Fibromyalgie versteckt

Viele Menschen mit Fibromyalgie haben eines gemeinsam: eine jahrelange Odyssee durch Arztpraxen, zahlreiche Untersuchungen – und trotzdem keine klare Erklärung für ihre Beschwerden.

Der Grund dafür ist nicht mangelnde Sorgfalt, sondern die besondere Natur der Erkrankung. Fibromyalgie verursacht reale, oft schwere Beschwerden, ohne dass klassische Laborwerte oder bildgebende Verfahren auffällig sind.

In diesem Artikel erfahren Sie, welche fünf Diagnosen besonders häufig gestellt werden, obwohl sich dahinter in Wahrheit eine Fibromyalgie verbirgt – und woran Sie das erkennen können.


Was ist Fibromyalgie überhaupt?

Fibromyalgie ist ein chronisches Schmerzsyndrom, bei dem die Schmerzverarbeitung im Nervensystem verändert ist.
Das bedeutet: Reize, die normalerweise kaum oder gar nicht schmerzen, werden vom Gehirn als stark schmerzhaft wahrgenommen.

Typische Beschwerden sind:

  • weitverbreitete Muskel- und Gliederschmerzen

  • ausgeprägte Erschöpfung (Fatigue)

  • nicht-erholsamer Schlaf

  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen („Fibro-Fog“)

  • erhöhte Reizempfindlichkeit (Licht, Geräusche, Berührung)


Fehldiagnose Nr. 1: Depression

Sehr viele Betroffene hören zunächst:
„Ihre Beschwerden sind psychisch bedingt.“

Zwar treten depressive Symptome bei Fibromyalgie häufig begleitend auf, sie sind jedoch nicht die Ursache der Schmerzen.

Hinweise auf Fibromyalgie statt Depression:

  • Schmerzen stehen klar im Vordergrund

  • Beschwerden wechseln die Körperregion

  • Schlaf ist trotz ausreichender Dauer nicht erholsam

  • Antidepressiva lindern die Schmerzen kaum oder gar nicht

👉 Wichtig: Fibromyalgie ist keine eingebildete Erkrankung, sondern eine neurobiologische Störung der Schmerzverarbeitung.


Fehldiagnose Nr. 2: Rheuma oder entzündliche Gelenkerkrankung

Viele Patientinnen und Patienten werden umfangreich rheumatologisch untersucht – oft ohne Ergebnis.

Typisch für Fibromyalgie:

  • Blutwerte ohne Entzündungszeichen

  • keine Gelenkschwellungen

  • keine strukturellen Schäden in der Bildgebung

Der entscheidende Unterschied:
Rheumatische Erkrankungen verursachen Entzündung, Fibromyalgie hingegen Schmerz ohne Entzündung.


Fehldiagnose Nr. 3: Bandscheiben- oder Wirbelsäulenprobleme

MRT-Befunde sind schnell gefunden – besonders im höheren Lebensalter.
Doch: Nicht jeder Befund erklärt die Beschwerden.

Warnzeichen für eine Fehldiagnose:

  • Schmerzen betreffen den ganzen Körper

  • Beschwerden passen nicht zu einem einzelnen Nerven

  • Injektionen oder Operationen bringen keine nachhaltige Besserung

Bei Fibromyalgie liegt die Ursache nicht in der Wirbelsäule, sondern im zentralen Nervensystem.


Fehldiagnose Nr. 4: Burn-out oder chronisches Erschöpfungssyndrom

Erschöpfung ist ein Leitsymptom der Fibromyalgie – wird aber oft isoliert betrachtet.

Typisch für Fibromyalgie ist die Kombination aus:

  • Schmerzen

  • Erschöpfung

  • Schlafstörung

  • kognitiven Einschränkungen

Wird nur die Müdigkeit behandelt, bleiben die Schmerzen oft unverändert bestehen.


Fehldiagnose Nr. 5: Reizdarm oder andere funktionelle Beschwerden

Viele Betroffene leiden zusätzlich unter:

  • Reizdarm- oder Reizmagenbeschwerden

  • Kopfschmerzen oder Migräne

  • Kiefer-, Becken- oder Rückenschmerzen

Statt vieler einzelner Diagnosen sollte man das Gesamtbild betrachten.
Fibromyalgie betrifft das gesamte Schmerz- und Reizverarbeitungssystem.


Warum Fibromyalgie so oft übersehen wird

Fibromyalgie passt nicht in das klassische medizinische Denken:

  • keine auffälligen Laborwerte

  • keine sichtbaren Gewebeschäden

  • Symptome schwanken

  • Beschwerden sind subjektiv, aber real

Das führt leider häufig dazu, dass Betroffene nicht ernst genommen werden.


Was wirklich hilft

Eine erfolgreiche Behandlung setzt nicht an einem einzelnen Symptom, sondern am Nervensystem an.

Bewährt haben sich:

  • gezielte Bewegungstherapie

  • Verbesserung der Schlafqualität

  • Schmerz- und Stressmanagement

  • verständliche Aufklärung über die Erkrankung

  • Aktive Strategien statt Schonung

👉 Fibromyalgie ist behandelbar, auch wenn sie nicht „heilbar“ im klassischen Sinn ist.


Fazit

Wenn Sie sich in mehreren der genannten Punkte wiedererkennen, lohnt es sich, die Diagnose Fibromyalgie gezielt anzusprechen.

Eine klare Einordnung ist oft der erste Schritt:

  • Raus aus der Unsicherheit

  • Raus aus unnötigen Therapien

  • Hin zu einem wirksamen Behandlungsansatz


Mehr fundierte Informationen?

Auf neurowissen.com finden Sie regelmäßig medizinisch geprüfte Inhalte zu chronischen Schmerzen, neurologischen Erkrankungen und verständlicher Aufklärung – ohne Mythen und ohne Panikmache.

 


 

 

Visited 2 times, 2 visit(s) today

Leave A Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert